Ablauf

Puls der Geschichte

Lichtkomposition in fünf Akten von Ruairí O’Brien

Mit dem Lichtkunstwerk „Puls der Geschichte“ für Unterwegs im Licht 2020 hat Ruairí O’Brien eine 7-stündige dynamische Gesamtkomposition für die Innenstadt von Potsdam geschaffen. Sie besteht aus fünf einzelnen Teilabschnitten (Akten), die, in Anlehnung an das Theater, die Hauptabschnitte der Handlung markieren. Der Begriff „Akt“ steht hier aber gleichermaßen auch für eine Situation, die durch Dynamik oder Veränderung gekennzeichnet ist und in der ein Übergang von einem Zustand in einen anderen Zustand stattfindet“ (Definition Wikipedia).


1.Akt/ Teil A: Dämmerung
Das Lichtkonzept beginnt mit der Stimmung „Dämmerung“, einer Hommage an den Sonnenuntergang. Die beteiligten Bauwerke der Potsdamer Mitte werden in ein blaues Licht gehüllt, und so das Naturereignis der „blauen Stunde“ gefeiert. Innerhalb dieser Phase wechseln sich Teilstimmungen mit unterschiedlichen Blautönen dynamisch ab.


2.Akt/ Teil B: Ein Strauß bunter Farben
Die nächste Stimmung begleitet den Lampionumzug der Kinder mit einem Strauß bunter Farben und schafft einen freudigen und stimmungsvollen Übergang in den weiteren Abend. Jeweils 3 Farben versetzen die Stadt in eine dynamische farbige Stimmung und vermitteln eine fröhliche und familienfreundliche Atmosphäre im öffentlichen Raum. Wenn der Laternenumzug der Kinder um 18.00 Uhr am Alten Markt ankommt und das Showprogramm der illuminierten Stelzenläufer beginnt, werden die farbdynamischen Lichtwechsel an den umgebenden Bauwerken gestoppt und die Fassaden in ein zurückhaltendes Blau gehüllt. Das schafft ein attraktives Hintergrundbild für die Künstler.


3.Akt/ Teil C: Der Puls der Zeit
Nach dem Programm beginnt um 18.30 bis 20.00 Uhr der nächste Block thematischer Lichtstimmungen, der das Jahresthema „Zäsuren deutscher Geschichte“ mit dynamischen Lichtwechseln künstlerisch verdeutlicht.
Eingebettet in ein ruhiges Farblichtkonzept mit langsamen Übergängen aus flächigem Licht und analog differenzierten Lichtstimmungen der Gebäude, gibt es überraschende Wechsel intensiv kontrastierender Lichtfarben in kurzen Impulsen mit weißen und dunklen Lichtstimmungen – eine symbolische Herzschlagfrequenz in Licht – der Puls der Zeit.
Dieser Akt versinnbildlicht helle und dunkle Abschnitte/Zeiten, Krieg und Versöhnung, Zerstörung und Wiederaufbau, die vielschichtigen Höhen und Tiefen der Geschichte in Verbindung zur Stadt Potsdam.
Zum Schluss deutet ein Lichtimpuls auf das Ende des kalten Krieges und der Teilung Deutschlands sowie den Beginn einer neuen Zeit und leitet über zum nächsten Akt.


4.Akt/ Teil D: Bunte Landschaften
Nach einem kurzen „Black“ (symbolisch für einen Neuanfang) beginnt die nächste Phase „Bunte Landschaften“, die unsere Zeit, innerhalb der letzten 30 Jahre bis ins Hier und Jetzt dieser Veranstaltung führt.
Sie feiert die 30jährige deutsche Wiedervereinigung, deren festlicher Höhepunkt dieses Jahr in Potsdam stattfindet in einem anspruchsvollen Dreiklang aus dezenten Farbstimmungen im Dialog mit jeweils einer komplementären Lichtfarbe.
Freundliches und stimmungsvolles Erleben der Bauwerke und Räume durch fröhliche und bunte Lichtstimmungen stehen nach der aufregenden Herzschlag-Phase im Mittelpunkt.
Dieser Akt schließt mit einem erneuten Lichtblitz-Impuls, der für Herausforderungen und mögliche Zensuren unserer Zeit steht.


5.Akt/ Teil E: Lebendige Zukunft
Der letzte Teil „Lebendige Zukunft“ leitet mit warmweißem neutralem Licht die ungeschriebene Zukunft ein, die offen ist und noch gestaltet werden kann.
In der ersten Hälfte des Abschnitts symbolisieren langsame Farbwechsel in analoger Dualität, unterbrochen durch kurze Eruptionen mit Lichtwechseln konträrer Farben in hoher Frequenz, die auch in Zukunft erwartbaren Wechsel, die Unwägbarkeit und Unplanbarkeit von Ereignissen und die potentiellen Gefahren, die es zu bewältigen gilt.
Im zweiten und abschließenden Teil des Schlussaktes führt das Lichtkonzept zurück zu den anfänglichen flächigen Lichtstimmungen, dieses Mal aber in warmen Rot- und Orangetönen. Das steht für die friedliche Ruhe und Weisheit des Abends und begleitet die Besucher nach Hause.
Diese Stimmungen werden im Verlauf des Aktes stetig dunkler und klingen dann um 23.00 Uhr in das Dunkel der Nacht aus.

Fotos: Peter R. Fischer